Lieber Pirat,

ich hoffe, du bist gut ins neue Jahr gestartet. Auch wir als Bundesvorstand möchten dir alles Gute für 2022 wünschen.

2021 war wieder stark durch Corona geprägt und hat uns auch als Piraten auf vielen Ebenen einiges abverlangt. Einerseits organisatorisch: Parteitage mussten verschoben oder konnten nur unter besonderen Bedingungen durchgeführt werden. Auf zahlreiche Veranstaltungen, die uns wichtig sind, wurde verzichtet. Andererseits auch menschlich: Denn es waren und sind gerade die persönlichen Treffen, die uns Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit erleben lassen. Die uns nicht nur als Zeichenkette in Mumble, Forum oder Twitter erscheinen lassen, sondern als Menschen. Und die auch immer wieder gute Ideen für Inhalte und Aktionen hervorgebracht haben.

Unter den Widrigkeiten der Corona-Pandemie haben wir einen hybriden Bundesparteitag abgehalten. Über vier Wochenenden hinweg haben wir uns mit Satzungsthemen und Programmatik beschäftigt und einen Bundesvorstand gewählt. Auf Bundesebene war es das erste Mal, dass wir in diesem Format gearbeitet haben, und wir haben viel daraus gelernt. Es war wichtig dieses Format während der Pandemie auszuprobieren. Gleichwohl hat sich für mich gezeigt, dass es den früheren “Real-Life” Parteitagstreffen in vielerlei Hinsicht hinten ansteht. Der sonst übliche positive Impuls, diese Gruppeneuphorie nach Parteitagen, ließ sich in diesem Format – wie erwartbar – nicht transportieren. Viele empfanden es sogar als deutlich anstrengender. Dennoch war es richtig, diesen Weg auszuprobieren und zu sehen, welche neuen Möglichkeiten zur Partizipation vor Ort sich daraus ergeben.

Unter den erschwerten Bedingungen in 2021 haben wir auch gemeinsam an der Bundestagswahl teilgenommen. Wir haben gemeinsam zur Wahl gekämpft und mit deutlich geringerer Mitgliederzahl unser bisheriges Ergebnis halten können. Während dieser Zeit hat sich jedoch auch erneut gezeigt, wie wertvoll für die Partei jeder einzelne bei uns ist, wie sehr der Beitrag jedes Aktiven die Partei nach vorne bringen kann.

Ebenfalls kosteten uns die Schwierigkeiten mit der Datenbank unseres Buchhaltungssystems Kraft und Energie. Es erschwerte die Aufnahme und Betreuung der vielen Neumitglieder, deren Interesse und Willen zur Unterstützung wir durch Öffentlichkeitsarbeit und Wahlkampf gewonnen haben. Die Aufarbeitung des Ausfalls war gleichermaßen nerven- wie zeitaufreibend und die aufgetretenen Unsicherheit darüber, ob wir die Anforderungen für die Parteienfinanzierung nächstes Jahr erfüllen können, bremste zusätzlich wichtige Ausgaben.

Wir sind eine Mitmachpartei. Wir existieren nur, wenn Mitglieder sich einbringen und gegenseitig unterstützen und wir gemeinsam für die Ziele kämpfen, die wir gemeinsam formuliert haben. Für jeden Piraten, der das tut, sind wir als Bundesvorstand sehr dankbar. Für jedes Mitglied, das Zeit in die Parteiarbeit steckt, das kann gar nicht oft genug gesagt werden.

Damit es zukünftig den Gliederungen der Partei besser möglich ist, die Mitglieder direkt anzusprechen und mehr auf Möglichkeiten zum Mitmachen hinzuweisen, arbeitet der Bundesvorstand auf effektive Strukturen hin. So setzen wir uns dafür ein, eine Mitgliederverwaltungssoftware anzuschaffen, die es den Verbänden ermöglicht bzw. vereinfacht, mit Mitgliedern in Kontakt zu treten und anzusprechen. Wir wollen damit mehr Unabhängigkeit in den Gliederungen vor Ort ermöglichen. Das soll nicht nur das Organisatorische vereinfachen, sondern auch das Gefühl von Zugehörigkeit in den jeweiligen Verbänden stärken.

Denn wir stehen vor großen Herausforderungen: Es ist abzusehen, dass die aktuelle Regierung schon für die kommende Europawahl eine Prozenthürde einführt, die es den kleinen Parteien erschweren wird, ins Europaparlament einzuziehen. Ein Nichteinzug bedeutet für uns, nach zwei Legislaturperioden unser Mandat zu verlieren, das uns bundesweit zu Aufmerksamkeit verholfen hat und auch die Piratenbewegung in Europa unterstützt. Diese Aufgabe zu meistern ist für uns ungemein wichtig und wird über die Zukunft der Piratenpartei entscheiden.

Ich möchte nochmals betonen: Diese Aufgabe können wir nur gemeinsam meistern. Auf je mehr Schultern sie sich verteilt, desto einfacher wird sie für uns alle zu bewältigen und desto erfolgreicher können wir sein.

Ich würde mich freuen, von dir zu hören, ob du dich irgendwo aktiv einbringen möchtest. Ob es etwas gibt, das du in die Partei einbringen möchtest, unabhängig wie viel Zeit du aufbringen möchtest und kannst. Jede Minute zählt. Hast du eine Qualifikation oder ein Expertenwissen, das eine Organisation mit vielen tausend Mitgliedern weiterbringen kann? Expertise und vielleicht berufliche Erfahrung in einem Bereich, der unsere politische Arbeit verbessern und voranbringen kann? Professioneller, effektiver, praxisnäher? Dann gib mir gerne Bescheid, denn wir haben viel zu tun, sebastian.alscher@piratenpartei.de.

Als Partei haben wir bereits ein starkes politisches Programm. Das gilt es nach aussen zu tragen, um die Wählerinnen und Wähler zu erreichen, die von unseren programmatischen Zielen überzeugt sind und deren Relevanz und Notwendigkeit sehen. Als Bundesvorstand setzen wir uns dafür ein, eine Umfrage bei einem Institut in Auftrag zu geben. So wollen wir in Erfahrung bringen, welche unserer Themen in der Gesellschaft, bzw. in Gruppen innerhalb dieser, als besonders wichtig wahrgenommen werden. Und zwar so maßgeblich, dass über eine Änderung der Wahlentscheidung zur Piratenpartei, oder den Weg vom Nichtwähler zur Piratenpartei, entschieden wird. Bisher ist dieses Bild mehrheitlich durch unser selbstgewähltes Umfeld und unsere Social Media Blasen geprägt und eine unvoreingenommene, professionell erhobene Einschätzung wird helfen, unsere knappen Ressourcen effektiver zur politischen Werbung einzusetzen.

Während wir darauf hinarbeiten, effektiver mit Gleichgesinnten und Wahlberechtigten außerhalb der Partei zu sprechen, müssen wir auch untereinander und gemeinsam wieder mehr in Austausch treten. Seit einigen Jahren stellen wir fest, dass wir uns auf viele Kommunikationskanäle verteilen und dort in Kleingruppen miteinander sprechen. Hierzu wollen wir gerne das Forum wiederbeleben, denn es soll der Ort sein, an dem Parteimitglieder untereinander politisch streitbar aber gesittet diskutieren.

Im Dezember traten zwei Bundesvorstände zurück. Wir danken Joachim und Manuel für ihre Arbeit sowie die Zeit, die sie sich für die Ämter genommen haben. Zu Beginn des Jahres trat auch Markus als Stellvertretender Vorsitzender im Bundesvorstand zurück. Auch ihm möchten wir unseren Dank aussprechen. Einer seiner Geschäftsbereiche war, beziehungsweise in seiner Verantwortung lag es, die Transparenz der parteilichen Prozesse gegenüber der Basis, zur Nachvollziehbarkeit der Entscheidungen des Bundesvorstands, zu befördern. Da uns dies als Bundesvorstand nach wie vor wichtig ist, möchte ich gerne auf das Vorstandsportal vorstand.piratenpartei.de hinweisen: Auch wenn die Arbeit sich nun auf weniger Personen verteilt, strebe ich an, hier zukünftig Beiträge zu teilen, die Einblicke in unsere Arbeit geben oder Erklärungen zu Entscheidungen, über die Gesprächsbedarf deutlich wurde. Wenn für dich etwas nicht nachvollziehbar ist, was wir als Bundesvorstand gesagt, getan oder entschieden haben, dann schick mir gerne eine Nachricht, sebastian.alscher@piratenpartei.de. Denn so weiß ich, welches Thema dort als nächstes behandelt werden sollte.

In diesem Sinne wünsche ich dir alles Gute für die kommende Zeit und freue mich von dir zu hören,

 

Sebastian für den Bundesvorstand

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